Veränderungen in der Kirchengemeinde

Vielleicht haben Sie es mitbekommen, über die Zeitung oder über Bekannte: Es ändert sich Einiges in der evangelischen Kirche. Weniger Pfarrstellen, weniger Gebäude. Wie kommt es? Was heißt das für Rötteln, und was heißt es für den Raum Lörrach?
Zuerst einmal: Das hat schon seine Gründe. Es ändert sich eben wirklich was. Und wir können überlegen, ob die Kirchengemeinde Rötteln in einem „guten Zustand“ ist oder in einem schlechten. Ob sie lebendig ist oder im Koma.
5  Gesichtspunkte. Erstens: Unsere Anzahl wird kleiner. Heute gehören gut 2000 Menschen zur Kirchengemeinde – vor 10 Jahren waren es 3000. Zweitens - es verändert sich auch die Art, wie wir Kirche sind. Jeden Sonntag ist Gottesdienst – aber wer geht jeden Sonntag hin? Wäre es dann nicht logisch, wenn wir die Gottesdienste auf 3 oder 2 im Monat reduzieren? Oder – Beispiel 3: Mitarbeiter. Die Röttler Gemeinde hat richtig viele Aktive. Das wird im Moment jedenfalls nicht weniger. Oder – viertens: Eine Gemeinde die singt. Wir sind immer so viel Menschen, dass die Lieder schön laut klingen, und wir können immer einen Kanon singen. Und die neuen Lieder im FeierAbendGottesdienst haben eine eigene Fangemeinde die kommt und kräftig singt. Beispiel 5: Konfirmanden: Wir hatten im letzten Jahr 18 Konfis und 6 jugendliche Teamer. Das sind viele. Aber ehrlich sein heißt auch: Früher waren es mehr.
Wenn man als Privatmensch weniger Geld zur Verfügung hat als früher, muss man sich verkleinern. Ein kleineres Haus, eine kleinere Wohnung. So ist es auch bei uns. Die Kirchenleitung hat das diesmal klar benannt: Nur 30% der Gebäude sind sicher („grün“). Die anderen 60% werden entweder nicht mehr unterstützt („rot“) oder sind in ihrer Zukunft fraglich („gelb“). Dem Raum Lörrach wurden nur 4 grüne Gebäude insgesamt zugewiesen. Die Kirche in Rötteln ist eine  Ausnahme (von 2): Das Land BW hat für die Kirchen Rötteln die Baupflicht, dadurch steht die Kirche außerhalb von Streichplänen. Das Gemeindehaus aber ist betroffen, es ist als gelb eingestuft. Wir sind froh, dass wir das Haus gerade durch Dachreparatur, Isolation, PV-Anlage und Wärmepumpe in einen guten Zustand gebracht haben.
Wenn die Gemeinden kleiner werden, betrifft das auch die Stellenpläne. Bis jetzt hatte Rötteln einen Pfarrer „für sich alleine“. Ab 2025 wird der Pfarrer/die Pfarrerin in Rötteln und Tüllingen tätig sein. Und wird Aufgaben im Großraum mit den KollegInnen übernehmen, die ja auch weniger geworden sind.
Das alles ist nicht lustig. Es kostet natürlich auch Zeit diese Entscheidungen abzustimmen. Gremiensitzungen häufen sich.
Man sagt manchmal schnell: Da sind auch Chancen drin. Ich sage das selten. Aber wahr ist: Die Fragen nach Gebäuden und Zuschnitte von Gemeinden sind nicht das Wichtigste. Das Wichtigste ist, ob die Menschen etwas mit der Kirche anfangen können, sich hier wiederfinden. Ob wir also etwas tun, was für Sie wichtig ist. Ob wir eine Sprache sprechen für Gott und für das Leben, indem viele ihre eigenen Anliegen wiederfinden. Ob unsere Klagelieder und unser Jubel schön klingen – für die „Stammkunden“ und auch für die, die zufällig hereinschneien auf der Suche nach einem guten Ort für die Seele und fürs Nachdenken.
Das ist vielleicht die schwierige Sache. Brauchen wir die Kirche noch? Was bringt das? Wir haben viele Austritte. Und haben zugleich viele Menschen, die der Kirche die Treue halten. Beides ist eigentlich verwunderlich. Was motiviert die einen und was die anderen?
Die Kirche kann sich nur begrenzt neu erfinden. Wir sind dafür da, dass Menschen gemeinsam Gott preisen und gemeinsam das Leben bestehen können, eine Mischung aus Glaube und Solidarität. Nur wenn Gott „irgendwie so ist“ wie wir glauben, nur dann haben wir eine Existenzberechtigung. Sonst sind wir Folklore, spirituelle Volksmusik, Geschmackssache.
Von diesem lebendigen Gott ausgehen. Alles andere ist Spielbein. Wir versuchen in Rötteln, diesen Kern – Glaube und Solidarität – lebendig zu halten und lebendig zu machen. Bestimmt werden wir damit nicht Allen gerecht. Sagen Sie uns gerne, was ihre Meinung zur Kirche ist. Überlegen Sie für sich, ob Sie und wir so etwas brauchen wie lebendige Kirchen. Und wie die aussehen sollen. Und – bleiben Sie Teil der lebendigen Kirche. Gottes Reserven waren schon immer klein. Wir brauchen Sie. Finanziell. Aber noch viel wichtiger: Wir brauchen Sie als jemand der/die etwas beiträgt zum Ganzen – ganz egal in welcher Form sie das tun, egal ob Sie aktiv sind oder Passivmitglied. Aber sie tragen etwas bei. Einen Beitrag für die Kirche jetzt und für die Kirche der Zukunft. Das ist etwas absolut Gutes!
Pfr. Ivo Bäder-Butschle