evangelische Pfarrgemeinde Rötteln

Anmerkungen zu religiösen und gesellschaftspolitischen Themen

>>> Anmerkungen zu Mel Gibsons Film "Passion Christi"
>>> Visitation
>>> Anmerkungen zum "Kopftuchstreit"
>>> HALLOWEEN
>>> ANMERKUNGEN ZUR VATICANISCHEN ERKLÄRUNG „DOMINUS JESUS“
 
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Anmerkungen zu Mel Gibsons Film "Passion Christi"

Der Film zeigt, wenn man die einleitenden und vorbereitenden Passagen abzieht, rund 5/4 Stunden lang, wie Menschen einen anderen quälen und verhöhnen, und das mit Lust. 

Dazu ist zu sagen: Es ist nicht das Anliegen der Evangelien, die Quälereien zu beschreiben und auszumalen, die die handelnden Personen wissentlich oder ohne darüber nachzudenken, Jesus zugefügt haben. Die Auspeitschung und die Kreuzigung werden in den Evangelien jeweils nur mit einem Satz dem Leser vor Augen gestellt - keine Details, kein Auswalzen der Handlungen. Warum?

Weil es das Anliegen des Neuen Testaments ist, deutlich zu machen, daß Jesus, der Christus, den Weg des Menschen durch Verrat und Leiden, durch Schmerzen und Sterben mitgeht, solidarisch und exemplarisch, und dadurch die Nähe Gottes auch in der tiefsten Tiefe menschlicher Existenz bezeugt wird. Zugleich aber führt die Botschaft des Neuen Testaments weiter und durch den Tod hindurch; es verkündet die Überwindung von Leid und Schmerz, Qual und Sterben durch die Leben schaffende Kraft Gottes.

Weder die Passion noch die Auferstehung kann -vom Evangelium her betrachtet- für sich stehen; beides ist aufeinander bezogen. So tritt dann klar hervor, was der Glaubensgedanke vom "stellvertretenden Leiden und Sterben Jesu" meint: Jesus steht nicht an unserer Stelle in dem Sinne, als müßten nun Christenmenschen kein Leid (mehr) ertragen oder als wäre das Sterben für Christen nicht (mehr) real, sondern: an Jesus wird stellvertretend für uns alle deutlich, daß der Weg durch das dunkle Tal des Todes in das Licht der Herr-lichkeit (des Herr-Seins) Gottes geht und wir in der Nachfolge Jesu Christi dasselbe erfahren sollen und werden.

Der Film hingegen verkürzt das Evangelium auf die Passion (bis auf eine zaghafte Andeutung des Ostermorgens) und verfälscht dadurch die Frohe Botschaft. Nicht aus dem Leiden kommt die Erlösung, sondern aus Gott. Wäre es anders, würden die Evangelien das Geschehen auch anders gewichten und darstellen. Nicht aus der schier unfaßbaren Brutalität der Kreuzigung entsteht der Glaube, sondern "aus der Predigt", sagt Paulus, aus der deutenden Verkündigung des "ganzen" Evangeliums.

Man muß Mel Gibson freilich abnehmen, daß er keinen "Verkündigungsfilm" machen wollte. Er wollte zeigen, wie es war, und Kreuzigungen waren wohl so. Dennoch ist kein "Dokumentarfilm" gemäß den Evangelien entstanden, weil er sich nicht an die genau überlegte Darstellung der Evangelien hält. Sichtbar wird eine Gewaltorgie, zu der Menschen aller Zeiten und Völker fähig waren und sind (eine speziell antisemitische oder antijüdische Absicht habe ich nicht entdeckt), ein mit sado-masochistischen Zügen gespickter Kino-Event, der vermutlich keine bleibenden tieferen Eindrücke hinterlassen wird.

H.J. Demuth, Pfr.

Visitation

Wichtigstes Vorhaben für die Kirchengemeinde für die nächste Zeit ist die Suche nach einem Pfarrer / einer Pfarrerin für die Zeit nach der Eintritt in den Ruhestand von Pfarrer Demuth, voraussichtlich im Jahr 2005.

In diesem Zusammenhang wurden drei konkrete Ziele formuliert, die in den kommenden zwei Jahren umgesetzt werden sollen:

  1. Die Kirchengemeinde ist bestrebt, noch vor Ablauf der Dienstszeit des Pfarrstelleninhabers eine Pfarramtssekretärin einzustellen.
  2. Die Sanierung des Pfarrhauses soll so rechtzeitig angegangen werden, dass ein möglichst rascher Einzug eines neuen Pfarrers / einer neuen Pfarrerin nicht wegen baulicher Arbeiten am Pfarrhaus verzögert werden muss.
  3. Für den Gemeindebrief muss ein Redaktionsteam gebildet werden, das die Herausgabe auch nach der Zurruhesetzung des Pfarrstelleninhabers gewährleistet
Anmerkungen zum "Kopftuchstreit"

,Die versuchte Unterscheidung, ob das islamische Kopftuch der Frauen ein religiöses oder ein politisches Symbol ist, ist müßig. Im islamischen Denken existiert diese Unterscheidung nicht, sowenig wie im Abendland im Mittelalter zwischen privat und staatlich, religiös und politisch differenziert wurde.

Früher war das Kopftuch der Frauen, ob islamisch oder christlich, ganz schlicht eine praktische und billige Kopfbedeckung, die werktags und - mit feinerem Tuch bei manchen Trachten auch feiertags - getragen wurde. Ich kann mir meine beiden Urgroßmütter, an die ich mich erinnere, ohne Kopftuch gar nicht vorstellen. Sie wollten mit dem Tuch nichts demonstrieren und nichts bekennen, und genausowenig wollten das früher die islamischen Frauen.

Inzwischen aber ist ein Wandel eingetreten. In extremeren islamischen Kreisen avancierte das Kopftuch der Frau zu einem religiös-gesellschaftspolitischen Symbol, das die bewußte und gewollte Unterordnung der Frau unter den Mann ausdrückt. Als solches Symbol wird es auch bei uns hier getragen bzw. von vielen islamischen Männern und Vätern ihren Frauen und Töchtern verordnet.

Im Abendland hatte das Kopftuch diese Bedeutung nie. Sie verbietet sich auch vom christlichen Gedankengut her, auf dem unsere Verfassung beruht. Das Kopftuch mag deshalb in islamischen Familien privat getragen werden. Im öffentlichen Bereich aber (zumal im Öffentlichen Dienst, und schon gar in der Schule) kann es mit der Bedeutung, die es jetzt im Islam hat, nicht getragen werden, weil es den Grundlagen der Verfassung, die von den Inhabern öffentlicher Ämter und Berufe bejaht werden müssen, widerspricht.

Anders ist das mit dem Kreuz/Kruzifix. Es ist seit vielen Jahrhunderten Symbol des Christentums. Es ist verfassungskonform und zeigt an, daß unsere Gesellschaft (jedenfalls: noch immer) auf Fundamenten aufgebaut ist, die aus dem, christlichen Glauben abgeleitet sind.

Was die Schulen speziell in Baden-Württemberg angeht, ist noch ein anderer Punkt wichtig, der merkwürdigerweise bislang weder vom Kultusministerium noch von den Kirchenleitungen noch von der Presse aufgegriffen worden ist. Bis 1945 lagen die Schulen hier bei uns in kirchlicher Trägerschaft; es waren "Konfessionsschulen", evangelische oder katholische, oft jeweils beide im selben Ort, oder die Kinder mußten ggf. in die nächstgelegene Schule ihrer Konfession gehen.

Bei der Neuordnung Deutschlands und der Länder Baden, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern einigte man sich darauf, die Schulen in staatliche (kommunale) Obhut zu geben. Dabei wurde dir bisherigen Prägung jedoch ausdrücklich dadurch Rechnung getragen, daß die Schulen bei uns seitdem "christliche Gemeinschaftsschulen" sind. Sie sind also offen für Kinder beider Konfessionen und - als staatliche Einrichtungen - darüberhinaus für alle Kinder ohne Ansehen der Religion oder Nationalität. Sie bleiben aber "Christliche Gemeinschaftsschule"; dies ist in der Landesverfassung verankert. Auch aus diesem Grunde ist bei uns - anders als etwa in Berlin - der Religionsunterricht "ordentliches" Lehrfach, dessen Note bei der Versetzung mitzählt ...

Das Kultusministerium tut mit seiner Gesetzesvorlage betr. Kopftuch nur das, was ihm die Landesverfassung gebietet.
Toleranz wollen wir in christlichem Geiste den Menschen erweisen, selbstverständlich auch den Mitbürgern anderer Religion, Kultur und Herkunft, nicht aber Symbolen, die die Grundlagen unseres Zusammenlebens, (z.B. Gleichwertigkeit von Frau und Mann!) auszuhöhlen geeignet sind!

Rötteln 31.10.2003
H.J. Demuth

 
HALLOWEEN

Einer unserer jungen Gruppenleiter sagte heute vormittag: Damals, am 31. Oktober 1517, ging es in Luthers 95 Thesen um den Ablaßhandel; wenn er heute so was machen würde, ginge es bestimmt um Halloween.
Recht hat er wahrscheinlich.

Es ist schon komisch: Da ist die große Mehrheit der Deutschen überaus kritisch gegen Amerika, wenn es um den Einsatz gegen Terrorismus geht; aber dann wird andererseits alles Amerikanische begierig aufgesogen: Sekten aller Art und dubiose religiöse Gruppen, die aus Amerika herüberschwappen, machen sich breit, auch in unseren Dörfern, und eben auch "Halloween".
Halloween ist eine Mischung aus keltischem Totenkult (daher die entsprechende Verkleidung und die Masken), keltischen Naturriten am Ende des Erntejahres und einigen christlichen Allerheiligenbräuchen am Vorabend des Festes.
Solch ein "Mischfest" konnte sich in Amerika besonders leicht entwickeln, weil dort so viele unterschiedliche Kulturen, Religionen, Sitten und Gebräuche durcheinander gehen. Inzwischen weiß kaum einer mehr, welches eigentlich seine "Wurzeln" sind. Wahrscheinlich wissen das auch bei uns ganz viele schon nicht mehr, sonst wäre der Halloween-Boom ja wohl nicht möglich. Aber es ist halt so: Wer nicht mehr in seinem Glauben verankert ist, ist plötzlich offen für alles mögliche Geheimnisvolle, Okkulte, Esoterische. In diese Gemengelage gehört auch Halloween. Dieser heidnische Mummenschanz ist schlichtweg abzulehnen.

Rötteln 31.10.2003
H.J. Demuth

ANMERKUNGEN ZUR VATICANISCHEN ERKLÄRUNG „DOMINUS JESUS“
Unmißverständlich hat die römische Kirche kürzlich (erneut) klargestellt, wie ihre Amtsträger und ihre Gläubigen das Verhältnis zu den übrigen Kirchen zu sehen haben. In der Erklärung „Dominus Jesus“ („Herr ist Jesus“) der vaticanischen Kongregation für die Glaubenslehre, deren Leiter der deutsche Kurienkardinal Ratzinger ist, heißt es in Punkt 17:

17. Es gibt eine einzige Kirche Christi, die in der katholischen Kirche subsistiert und vom Nachfolger Petri und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird. Die Kirchen, die zwar nicht in vollkommener Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, aber durch engste Bande, wie die apostolische Sukzession und die gültige Eucharistie, mit ihr verbunden bleiben, sind echte Teilkirchen. Deshalb ist die Kirche Christi auch in diesen Kirchen gegenwärtig und wirksam, obwohl ihnen die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche fehlt, insofern sie die katholische Lehre vom Primat nicht annehmen, den der Bischof von Rom nach Gottes Willen objektiv innehat und über die ganze Kirche ausübt.

Die kirchlichen Gemeinschaften hingegen, die den gültigen Episkopat und die ursprüngliche und vollständige Wirklichkeit des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt haben, sind nicht Kirchen im eigentlichen Sinn; die in diesen Gemeinschaften Getauften sind aber durch die Taufe Christus eingegliedert und stehen deshalb in einer gewissen, wenn auch nicht vollkommenen Gemeinschaft mit der Kirche.

Das bedeutet für das römisch-katholische Verständnis: Die eine heilige allgemeine und apostolische Kirche (Nicaenisches Bekenntnis) ist in umfassender Weise allein in der römischen Kirche verwirklicht; die evangelischen Kirchen, die aus der Reformation hervorgegangen sind, aber sind keine richtigen Kirchen.

Ob in einer Kirche in Wahrheit die ,,Kirche Christi" gegenwärtig ist, ist nach römisch-katholischer Lehre also davon abhängig, ob der Primat des Papstes über die Kirche akzeptiert wird, ob die Pfarrer und Bischöfe in der sog. "apostolischen Sukzession" stehen, also durch einen geweihten Amtsträger ihrerseits eine besondere Weihe haben, die sie über die übrigen Gläubigen  erhebt, und ob das Heilige Abendmahl (die Eucharistie) so verstanden wird, wie es die römische Kirche tut.

In allen drei genannten Punkten haben die reformatorischen Kirchen eine andere Auffassung, die in der Heiligen Schrift begründet ist. In allen drei Punkten (neben noch anderen, die hier gar nicht erwähnt sind) hat sich die römische Kirche vom Evangelium entfernt. Deshalb war ja auch schon im Mittelalter der Ruf nach einer ,,Reform der Kirche an Haupt und Gliedern" unüberhörbar geworden, was dann in der Reformation zum Durchbruch kam. Zu einem umfassenden Konzil, auf dem die Anliegen Luthers und anderer Reformatoren hätten beraten werden können, was wohl tatsächlich zu einer Rückbesinnung und Neuorientierung der gesamten westlichen (,,katholischen") Kirche geführt hätte, ist es leider nicht rechtzeitig gekommen.

Seitdem ist das Ringen um die Wahrheit im Glauben, um das evangeliumsgemäße Handeln und um die evangeliumsgemäße Gestalt der Kirche eine bleibende Aufgabe für alle Christen und Kirchen. Nachdem das Konzil von Trient (bis 1564) und das 1. Vaticanische Konzil (1870) die römische Kirche auf Aufrechterhaltung ihres Anspruchs festgelegt hatten, sie allein verkörpere den Weg zum Heil, hatte das 2. Vaticanische Konzil (bis 1965) eine Öffnung vollzogen und echte Gespräche - nicht nur Gegenüberstellung der unterschiedlichen ,Auffassungen - möglich gemacht. Solche Gespräche wurden über die Frage, was eigentlich ,,Kirche" sei, über das Amtsverständnis und über die Frage, was das Heilige Abendmahl ist und schenkt und bewirkt, vielfältig geführt. So kam es - besonders in Deutschland - zu größerer Nähe, in gegenseitiger Achtung.

Diese verheißungsvolle Entwicklung erfährt durch die neue römische Verlautbarung einen empfindlichen und deutlichen Rückschlag. Nunmehr ist das Ergebnis aller Gespräche zwischen den Konfessionen in keiner Weise mehr offen, sondern liegt von vornherein fest; die römische Sicht der Dinge ist ,,festgezurrt": Wer ,,im eigentlichen Sinn" Kirche sein will, muß römisch-katholisch sein oder werden. Daran ändern leider auch die freundlichen und von geschwisterlichen Gedanken geprägten Stellungnahmen einzelner katholischer Professoren, Pfarrer und Pfarrgemeinderäte nichts - sie können letztlich über die Vorgaben aus Rom nicht hinaus, wenn sie nicht den Bruch mit ihrer eigenen Kirche riskieren wollen.

Dagegen muß und wird es für uns Evangelische dabei bleiben: ,,Kirche Christi  ist dort, wo „das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut dem Evangelium gereicht werden“ (Confessio Augustana VII). Darum ringen die evangelischen Kirchen immer neu. Und Maßstab dabei können nicht die Verlautbarungen der Glaubenskongregation des Vaticans sein, sondern allein die Heilige Schrift. So wollen wir denn getrost und fröhlich ,,evangelisch" sein! Denn ,,einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist JESUS CHRISTUS" (1. Kor. 2, 11)       H. J. Demuth, Pfr. 29. Sept. 2000

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